2022-04-21
Dankesrede von Tichanowskaja. Foto: belsat.eu

Die Roosevelt Foundation hat Swetlana Tichanowskaja den prestigeträchtigen Four Freedoms Award verliehen, weil sie den friedlichen Widerstand gegen das repressive Regime in Belarus anführt und eine herausragende Verfechterin der politischen und bürgerlichen Freiheit ist. In ihrer beeindruckenden Dankesrede betonte die Politikerin, wie wichtig es ist, zu lernen, „die Dinge bei ihrem wahren Namen zu nennen“ und teilte die folgenden wichtigen Botschaften mit:

„Ich habe das Gefühl, dass die Welt nicht wirklich versteht, was die Regime im Kreml und in Minsk in der Tat darstellen. Furcht verblendet. Gleichgültigkeit verblendet. Wirtschaftliche Interessen verblenden. Man kann es nicht anders sagen: Diese Regime verkörpern heutzutage das absolute Böse. Dieses Böse wächst wie eine Krankheit, und es wird in Belarus und der Ukraine nicht aufhören.“

„Als die Russen die Ukraine angriffen, haben die Menschen in Belarus die Wahl getroffen: Im ganzen Land gingen Menschen auf die Straßen. Es war eine schwierige und schmerzhafte Entscheidung. Innerhalb der ersten Wochen wurden 1500 Menschen verhaftet. Aber es war die richtige Entscheidung. Jeden Tag werden in Belarus Menschen verhaftet. Auch, weil sie nur in der Kirche für die Ukraine beten. Stellen Sie sich vor, dass sich in diesem Moment Männer in Zivil während des Gottesdienstes hereinschleichen, um die Gläubigen zu identifizieren und sie zu verhaften. Das ist Belarus heute. Aber Belarus widersetzt sich immer weiter.“

„Diktatoren können nicht umerzogen werden. Tyrannen werden durch Beschwichtigung nur ermutigt, nicht besänftigt. Europa hat seine Freiheit von Hitler nicht durch Beschwichtigung erlangt, sondern durch entschlossenes und vereintes Handeln gegen Hitlers Reich. Nur wenn sich die Welt im Kampf gegen das Böse vereint, werden wir gewinnen können. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Solidarität und Menschlichkeit unsere Supermacht sind. Und sie unterscheidet uns vom Bösen.“

Tichanowskaja würdigte auch die Tapferkeit ihrer belarusischen Landsleute, die sich an der Antikriegsbewegung beteiligen, indem sie weiter protestieren und den russischen Militärverkehr auf der Schiene behindern. „Wir werden weiter für die Freiheit von Belarus, für die Ukraine und gegen die Tyrannei kämpfen, die die Welt ins dunkle Zeitalter zurückschicken will“, sagte sie. „Wenn wir scheitern, wird die Dunkelheit hereinbrechen. Aber in jeder Mutter, die ihre Kinder rettet, in jedem Kind, das seine Eltern rettet, in jeder solidarischen Tat sehe ich, dass die Liebe stärker ist als der Hass.“

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Diktatoren Geschichte machen, denn die Geschichte – und die Zukunft – gehören uns“, schloss die belarusische Oppositionsführerin ihre Rede ab.