2021-08-05
Die Strafkolonie für politische Gefangene bei Sluzk. 2020.

CNN-TV-Kanal strahlte einen Bericht über eine angebliche Strafkolonie für politische Gefangene in Belarus aus.

Diese Kolonie liegt in einem Wald, etwa eine Autostunde von Minsk entfernt, in der Nähe des Dorfes Nawakolasawa, auf dem Gelände eines ehemaligen sowjetischen Raketenlagers. Die Fläche des Lagers beträgt über 80 Hektar. Ein dreistufiger, stromführender Zaun und neue Videokameras wurden um das Gelände herum installiert. Die Strafkolonie ist militärisch bewacht und mit einem „Zutritt verboten“-Schild versehen. Auf dem Gelände der Kolonie befinden sich renovierte Baracken mit vergitterten und verspiegelten Fenstern. Die Bewohner von Nawakolasawa nennen dieses Objekt ein Lager.

Den Journalisten gelang es nicht, sich Zugang zu den Innenräumen der Kolonie zu verschaffen, so dass sie nicht behaupten können, dass bereits Menschen im Lager untergebracht waren, und der Fernsehsender fand keine direkten Beweise für die Nutzung des Gebäudes als Strafkolonie.

Im vergangenen Jahr wurde etwas über den Bau eines weiteren Lagers – in der Nähe von Sluzk – bekannt. Stellvertretender Innenminister Mikalaj Karpjankou nannte diese Einrichtung „Strafkolonie für besonders Aufmüpfige“. Diese Strafkolonie wurde nicht aktiv genutzt – die ersten Häftlinge wurden am 12. August 2020 eingeliefert, aber am 15. August wurden die Gefangenen freigelassen und die Kolonie wurde innerhalb weniger Tage aufgelöst.

Belarusische Oppositionelle haben Befürchtungen geäußert, dass das Lukaschenko-Regime am 9. August, dem Jahrestag der Proteste, zu Massenverhaftungen greifen könnte. Im Zentrum für vorläufig Festgenommene auf der Akreszina in Minsk beispielsweise werden die Zellen am Wochenende geräumt – die Gefangenen werden in andere Gefängnisse verlegt.