2021-12-06
Maria Kolesnikowa

Seit über einem Jahr sitzt die belarusische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa hinter Gittern. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2020 leitete sie das Wahlkampfteam von Viktar Babaryka und beteiligte sich nach Beginn der Proteste an den Aktivitäten des Koordinierungsrates der Opposition. Kolesnikowa gilt als eine der Galionsfiguren des belarusischen Protests.

Im September 2020 wurde Maria Kolesnikowa festgenommen und am 6. September 2021 zusammen mit dem Anwalt Maksim Znak der Verschwörung zur Ergreifung der Staatsmacht für schuldig befunden und und zu einer Haftstrafe von 11 Jahren verurteilt. In ihrem schriftlichen Interview mit der DW Korrespondentin teilte Maria ihre Sicht auf die Situation in Belarus mit.

Im Gefängnis fehle es ihr an allem: Luft, Sonne, Duschen, Musik, ihre Flöte, Briefe und Kommunikation, doch sie spüre weiterhin die Fürsorge und Liebe der Menschen in Belarus und auf der ganzen Welt. Sie habe ihre Entscheidung, in ihrem Heimatland zu bleiben, anstatt ins Ausland zu gehen, nicht bereut. Maria bezeichnet das Urteil als absurd, denn weder sie noch Maksim Znak haben sich etwas zuschulden kommen lassen, genau wie die vielen anderen Belarus*innen, die derzeit im Gefängnis sitzen. Es sei ihr eine Ehre, den Weg zur Freiheit und zum Wandel gemeinsam mit den Menschen in Belarus zu gehen.

Kolesnikowa ist der Ansicht, dass es an der Zeit ist, jetzt über die Herausforderungen der Zukunft nachzudenken, über internationale Wirtschaftsbeziehungen, Industrie, Zivilgesellschaft, Gesetzgebung usw. Sie ist der Meinung, dass das Regime nicht ewig besteht und dass es auch jetzt noch Kräfte (in den Machtstrukturen) gibt, die zu konstruktiven Lösungen, zu Verhandlungen zur Beendigung der Krise bereit sind.

Ihrer Meinung nach ist es für die Belarus*innen jetzt am wichtigsten, zusammenzuhalten und das Vertrauen ineinander nicht zu verlieren. Und diejenigen, die im Ausland sind, sollten zuallererst an die Menschen denken, die weiterhin im Land leben.

Maria Kolesnikowa hat viele Ideen für musikalische und kulturelle Projekte der Zukunft. So möchte sie beispielsweise eine Untersuchungshaftanstalt in ein Museum für die Opfer von Kommunismus, Totalitarismus und anderen „Ismen“ verwandeln. Außerdem möchte sie ein Zentrum für die Sozialisierung und Rehabilitation von Frauen nach der Inhaftierung einrichten.