2022-02-27
Wolodymyr Selenskyj. Archivbild.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine neue Videoansprache veröffentlicht. Dieses Mal war sie an die Bürger*innen von Belarus gerichtet. Ihm zufolge war die letzte Nacht in der Ukraine wieder brutal, mit Artilleriebeschuss, Bombardierung von Wohngebieten und ziviler Infrastruktur.

„Heute gibt es kein einziges Objekt im Land, das die Besatzer nicht als zulässiges Ziel für sich selbst betrachten würden. Sie kämpfen gegen jeden, gegen alles Lebendige – Kindergärten, Wohnhäuser und sogar Krankenwagen. Sie setzen Raketenartillerie und Raketen gegen ganze Stadtgebiete ein, in denen es nie eine militärische Infrastruktur gab und gibt. <…> Die ukrainischen Städte überleben unter Bedingungen, die es in unserem Land und in Ihrem Land zuletzt während des Zweiten Weltkriegs gab. Aber in dem Krieg, der jetzt geführt wird, steht ihr mit uns nicht auf derselben Seite“, sagte Selenskyj.

In seiner Rede verglich Selenskyj den aktuellen Angriff Russlands auf die Ukraine mit den Ereignissen zu Beginn von Hitlers Invasion in die UdSSR im Jahr 1941. Auch damals begann die Bombardierung von Kiew um 4 Uhr morgens. Doch dieses Mal wurden die Bomben vom Territorium der Republik Belarus aus auf die ukrainische Hauptstadt abgefeuert. „Ihr habt geschlafen, Brüder Belarusen!“, so Selenskyj. „Und wir können nicht mehr schlafen. Wir kämpfen für unser Land, wir kämpfen für unsere Freiheit“.

Der ukrainische Präsident erinnerte daran, dass heute, am 27. Februar, in Belarus ein „Referendum“ abgehalten wird und forderte die Belarus*innen auf, aufzuwachen. „All dies ist auch ein De-facto-Referendum für euch. Ihr entscheidet, wer ihr seid, ihr entscheidet, wie ihr euren Kindern in die Augen schauen werdet, wie ihr einander, euren Nachbarn, in die Augen schauen werden. Und wir sind Ihre Nachbarn. Seid Belarus, nicht Russland“, fügte der Präsident hinzu. – Trefft die richtige Wahl. Ich bin sicher, es ist die wichtigste Wahl eurer großartigen Nation!“

Selenskyj betonte, dass friedliche Verhandlungen in Minsk – die von Moskau vorgeschlagene Plattform – unmöglich seien, da Belarus kein neutrales Land mehr sei. Es sei daran erinnert, dass der unrechtmäßige Machthaber von Belarus das Territorium des Landes den russischen Besatzungstruppen überlassen hat und damit die Möglichkeit eines massiven Angriffs auf Kiew geschaffen hat.