2021-08-05
63% der Werbezeit in den staatlichen belarusischen Fernsehsendern werden von europäischen und amerikanischen Unternehmen gekauft.

Zwei von drei im belarusischen Staatsfernsehen ausgestrahlte Werbespots wurden im Interesse großer Konzerne aus Europa und den USA gedreht. Dies geht aus einer Analyse der deutsch-schweizerischen Menschenrechtsorganisation „Libereco“ hervor.

Fast zwei Drittel (63%) der 874 Werbespots, die während der Woche zur besten Sendezeit auf den staatlichen belarusischen Sendern gezeigt wurden, stammten von westlichen Unternehmen. Die Werbespots werden unmittelbar vor, nach und während politischer und Nachrichtensendungen gezeigt, die ein offensichtliches Propagandaformat haben.

Absoluter Spitzenreiter ist Procter & Gamble (USA, 100 Videos). Als nächstes kommen Nestlé (Schweiz, 79), Mars (USA, 44), Henkel (Deutschland, 43), Colgate-Palmolive (USA, 37), Sandoz (Schweiz, 35), Coca-Cola (USA, 35), PepsiCo ( USA, 33), Dr. Theiss Naturwaren (Deutschland, 32) und Mondelez International (29, USA). Insgesamt 82 Spots wurden für Carlsberg (Dänemark), L’Oréal und Sanofi (beide Frankreich), Dolorgiet (Deutschland), GlaxoSmithKline (UK), Śnieżka (Polen) und Gedeon Richter (Ungarn) gezeigt.

„Libereco“ forderte alle Unternehmen aus der EU, den USA, der Schweiz und Großbritannien auf, umgehend keine Werbespots in belarusischen staatlichen Fernsehsendern zu zeigen und damit die finanzielle Unterstützung des Regimes von Lukaschenko einzustellen.

„Seit einem Jahr terrorisiert Lukaschenkos Regime die eigene Bevölkerung, das hätte auch der letzte PR-Manager wissen müssen. Es ist ein Skandal, dass globale Marken wie Procter & Gamble, Mars, Henkel, Coca-Cola oder PepsiCo immer noch und weitgehend von den Propagandakanälen des Diktators beworben werden. Die Unternehmen kümmern sich offensichtlich nur um ihre Gewinne, die katastrophale Situation im Bereich der Menschenrechte in Belarus stört sie überhaupt nicht“, sagte der Vorsitzende der deutschen Filiale von „Libereco“, Marco Fibre. Er beschuldigte westliche Konzerne des „moralischen Bankrotts“.