2022-06-16
Symbolbild. Quelle: RFERl/Currenttime

Die belarusische Hackergruppe, die sich Cyber-Partisanen nennt, berichtete, dass sie Zugang zu Tausenden von Stunden an Audioaufnahmen von Mobil- und Festnetztelefonen in Belarus habe. Laut ihrer Aussage besitzen sie 1,5 Terabyte an abgehörten Anrufen, die von den den Servern des belarusischen Innenministeriums erbeutet wurden. Die Anrufe decken den Zeitraum von Januar 2020 bis Juni 2021 ab, schreiben die Cyber-Partisanen. Sie gaben bereits im August 2021 das Hacken von den Servern bekannt, aber das Ausmaß ist erst jetzt bekannt geworden.

Um ihre Aussage zu beweisen, veröffentlichten die Cyber-Partisanen in ihrem Telegram-Kanal Aufnahmen von Anrufen an die russische Botschaft in Minsk. Offenbar wurde das inoffizielle Abhören rund um die Uhr durchgeführt und umfasste alle ein- und ausgehenden Anrufe der Mitarbeiter*innen. Die Hacker behaupten, dass auch andere Botschaften und Konsulate in Belarus abgehört wurden. Sie weisen darauf hin, dass dies gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1961 verstoßen könnte.

Zuvor hatten die Cyber-Partisanen die IT-Systeme der Eisenbahn und des Unternehmens Belaruskali angegriffen sowie die Datenbanken des Innenministeriums, der Verkehrspolizei und des Informationssystems „Passport“ gehackt. „Sie sind in einer Weise innovativ, die ich noch nie gesehen habe“, kommentiert Gabriella Coleman, Harvard-Professorin und Expertin für Hacking-Kultur. „Es ist wie bei traditionellen Formen der Sabotage, aber mit IT-Methoden. Was sie tun, hat den Hacktivismus auf die nächste Stufe gehoben.“